Volles Haus im Naturfreundehaus – wenn es ernst wird, stehen die Gewerkschaften in Unterfranken zusammen

Das Naturfreundehaus in Schweinfurt steht für gewerkschaftliche Tradition. Und an diesem 21. März 2026 zeigt sich einmal mehr, was das heißt. Frank Firsching, Regionsgeschäftsführer des DGB Unterfranken und Organisator der unterfränkischen Sozialstaatskonferenz, muss gleich zu Beginn zusätzliche Stühle organisieren lassen. Der Saal ist voll bis auf den letzten Platz, die Reihen sind dicht, es wird eng. Kolleginnen und Kollegen aus ganz Unterfranken sind gekommen. Aus Aschaffenburg mit dem Bus, aus Würzburg in großer Stärke. Alle acht DGB-Gewerkschaften sind vertreten: IG Metall, ver.di, IG BCE, NGG, GEW, GdP, IG BAU und EVG. Geschlossen. Wenn es um den Sozialstaat geht, dann ist klar: Die Gewerkschaften stehen zusammen.
Hier wird gesagt, was Sache ist
Der Einstieg lässt keinen Zweifel. Es geht ums Ganze. Rente, Pflege, Gesundheit, Arbeitszeit – überall stehen Verschlechterungen im Raum. Länger arbeiten, weniger Leistungen, mehr Druck auf die Beschäftigten. Verpackt wird das als „Reform“. Im Saal weiß jeder, was gemeint ist. Hier soll zurückgedreht werden, was über Jahrzehnte erkämpft wurde.
Knut Lambertin und Markus Hofmann aus der Verwaltung beim DGB-Bundesvorstand legen die Fakten auf den Tisch. Klar, verständlich, ohne Ausweichen. Sie zeigen, was politisch vorbereitet wird und was das konkret bedeutet: mehr Belastung für die, die arbeiten, und mehr Spielraum für die, die sowieso oben sitzen. Darauf aufbauend macht Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern, die Linie deutlich. Der Sozialstaat wird verteidigt. Punkt. Keine Verschlechterungen, keine Hintertüren über Kommissionen. Wenn Vorschläge kommen, die den Menschen schaden, wird es Widerstand geben. Diese Ansage steht. Und sie ist nötig, weil der Druck von oben wächst.
Wenn Praxis auf Politik trifft
In der Mittagspause wird weitergeredet. Chili, Brötchen, lange Schlangen, viele Gespräche. Die Diskussion geht weiter, nur ohne Mikrofon. Die Stimmung ist konzentriert und klar. Viele wissen: Was Berlin vorbereitet, hat Folgen für den Alltag der Kolleginnen und Kollegen.
Am Nachmittag trifft die Politik auf diese Haltung. Emmi Zeulner (CSU), Bernd Rützel (SPD) und Bernhard Stiedl stehen am Podium, moderiert von Björn Wortmann. Doch der Saal bleibt nicht still. Gottfried Weippert, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender bei Koenig & Bauer in Würzburg, geht nach vorne. Er nimmt das Mikro und bringt es auf den Punkt: „Lasst uns das selbst regeln. Davon habt ihr keine Ahnung. Das geht euch nichts an.“ Gemeint ist die Arbeitszeit. Der Saal tobt. Der Applaus ist laut und lang. Weil klar ist, worum es geht. Arbeitszeit gehört in die Hände der Beschäftigten – nicht in die Hände von Politikern, die noch nie am Band oder in der Schicht standen.
Für die politischen Vertreter wird es eng. Gerade die Argumente der CSU laufen ins Leere. Beispiele, die gebracht werden, haben mit der Realität vieler Beschäftigter wenig zu tun. Und so wird klar, was viele ohnehin vermuten. Es geht darum, den Sozialstaat schlechtzureden, damit man ihn Stück für Stück abbauen kann. Weniger für die vielen, mehr für die wenigen oben. Beim SPD-Abgeordneten zeigt sich der bekannte Spagat. Verständnis für die Kritik – und gleichzeitig der Verweis auf die Regierung. „Wir müssen mitregieren, sonst wird es schlimmer.“ Das bleibt im Raum stehen. Viele im Saal wissen: Schlimmer wird es auch so, wenn man nicht dagegenhält.
Jetzt geht es ums Handeln
Zum Ende hin wird es noch einmal deutlich. Reden allein reicht nicht mehr. Wenn von oben weiter Druck kommt, dann muss von unten mehr Druck zurückkommen. In den Betrieben, auf der Straße, überall dort, wo Beschäftigte zusammenstehen. Frank Firsching bringt es zum Abschluss noch einmal auf den Punkt: Jetzt ist nicht die Zeit, die Fahnen einzurollen. Jetzt ist die Zeit, sie auszurollen. Und wenn es notwendig ist, auch auf der Straße. Die Botschaft dieses Tages ist klar: Der Sozialstaat gehört den Menschen, die ihn tragen. Und die werden nicht tatenlos zusehen, wie er kaputtgespart wird.
Bildnachweis: DGB Region Unterfranken, Anna Guck


