Betriebsräteempfang der IG Metall Würzburg: Sozialpolitik beginnt im Betrieb

Insolvenz, Standortsicherung, Tarifvertrag – drei Betriebe, drei Geschichten. Beim Betriebsräteempfang der IG Metall Würzburg wurde deutlich, warum erfolgreiche Betriebsratsarbeit weit mehr braucht als gute Gesetze: Sie lebt von Wissen, Solidarität und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Der Abend des 1. Juli 2026 beginnt mit Gesprächen. Im Historischen Rathaus in Karlstadt begrüßen sich Betriebsrätinnen und Betriebsräte, knüpfen Kontakte und tauschen Erfahrungen aus. Rund 120 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus den Betrieben der Region Würzburg sind der Einladung gefolgt. An den zahlreichen Informationsständen wird diskutiert, nachgefragt und beraten. Es geht um Qualifizierung, Rechtsschutz und Unterstützung im Betriebsratsalltag – vor allem aber um die Frage, wie Mitbestimmung in Zeiten des Industrieumbaus gelingt.

Erster Bevollmächtigter Norbert Zirnsak eröffnet den Empfang und macht deutlich, worum es geht: Betriebsratsarbeit braucht Orientierung, Vernetzung und den Austausch über betriebliche Grenzen hinweg.

Den politischen Rahmen des Abends setzt Hans-Jürgen Urban, einer der prägenden sozialpolitischen Stimmen der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Unter dem Titel „Betriebsräte! Macht! (Sozial)Politik!“ wirbt er dafür, Sozialpolitik wieder als Kernfrage gewerkschaftlichen Handelns zu begreifen. Gute Industriepolitik und ein leistungsfähiger Sozialstaat gehörten zusammen. Die Herausforderungen des Industrieumbaus dürften nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Wer Sozialleistungen kürzt, soziale Sicherungssysteme schwächt oder die gesetzliche Rente weiter unter Druck setzt, gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sozialpolitik, so seine Botschaft, beginnt nicht erst in Parlamenten – sie beginnt im Betrieb.

Dass diese sozialpolitischen Fragen den Betriebsalltag prägen, zeigte sich wenig später in Berichten aus den Betrieben. Erich Mirnig, Betriebsratsvorsitzender bei Franken Guss (Kitzingen), schilderte, wie der Betriebsrat die Belegschaft durch die Insolvenz des Unternehmens begleitet hat. Trotz der schwierigen Lage sei es gelungen, die Kolleginnen und Kollegen ohne Lohneinbußen durch diese Zeit zu führen. Nicole Thorwarth berichtete vom gemeinsamen Einsatz des Betriebsrats und der Belegschaft für den Erhalt des Brose-Standorts in Würzburg. Mit Beharrlichkeit, vielfältigen Aktionen und einem starken Zusammenhalt konnte der Standort gesichert werden. Gürcan Erdinc beschrieb schließlich den Weg zu einem Tarifvertrag bei Miwe (Arnstein).

Die Ausgangslagen in den drei Betrieben waren völlig unterschiedlich – die gemeinsame Erfahrung jedoch dieselbe: Wo Beschäftigte zusammenstehen und ihre Interessen gemeinsam vertreten, entstehen Lösungen, die allein nicht möglich wären. Ulrike Eifler führte durch die Diskussion, griff die Erfahrungen der drei Betriebsratskolleginnen und -kollegen auf und verband sie mit der Frage, welche Schlussfolgerungen sich daraus für die neue Amtszeit der Betriebsratsgremien ziehen lassen.

Dass hinter diesen Erfolgen mehr steckt als Engagement, machten die weiteren Beiträge des Abends deutlich. Gebhard Schwägerl, Leiter der Kritischen Akademie Inzell, warb dafür, Wissen als Grundlage erfolgreicher Mitbestimmung zu begreifen. Karin Milkau von der DGB Rechtsschutz GmbH zeigte, welche Bedeutung rechtliche Kompetenz für die Arbeit von Betriebsräten hat. Beides ergänzte die Erfahrungen aus den Betrieben und machte deutlich, dass erfolgreiche Interessenvertretung auf Qualifizierung, rechtlicher Sicherheit und einer starken Organisation beruht.

Nach dem offiziellen Programm blieben die Gäste noch lange im Gespräch. Erfahrungen wurden geteilt und Ideen weitergedacht. Norbert Zirnsak zog am Ende des Abends ein positives Fazit: „Mitbestimmung lebt vom Engagement der Betriebsrätinnen und Betriebsräte. Sie braucht Wissen, Solidarität und eine starke IG Metall, die ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützt und zusammenbringt.“

Ulrike Eifler sagt: „Die großen sozialpolitischen Fragen unserer Zeit sind längst in den Betrieben angekommen. Gute Arbeit, sichere Einkommen, ein verlässlicher Sozialstaat brauchen starke Betriebsräte, engagierte Belegschaften und eine IG Metall, die soziale Sicherheit und Mitbestimmung entschlossen verteidigt.“

Erste Impressionen des Abends. Immer wieder vorbeischauen. Es folgen weitere tolle Bilder.

Bildnachweis: IG Metall Würzburg, Patty Varasano