Frieden in Zeiten der Aufrüstung – Professor Dr. Peter Brandt bei der IG Metall in Würzburg

Gerade in einer Zeit, in der die öffentliche Debatte von Kriegen, Aufrüstung und geopolitischen Spannungen geprägt ist, sind Orte wichtig, an denen über die Ursachen von Konflikten, internationale Entwicklungen und politische Wege zum Frieden gesprochen wird. Einen solchen Raum bot am vergangenen Dienstag, dem 16. Juni 2026, eine Veranstaltung der IG Metall Würzburg im Burkardushaus.
Gast des Abends war der Historiker Professor Dr. Peter Brandt. Der Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt gehört seit Jahren zu jenen Stimmen, die darauf beharren, dass Konflikte politisch gelöst werden müssen – selbst dann, wenn die politischen Bedingungen dafür denkbar schlecht erscheinen. Rund fünfzig Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Aktive der Friedensbewegung und politisch Interessierte waren gekommen, um mit ihm über die weltpolitische Lage und ihre historischen Ursachen zu diskutieren.
Schon in ihrer Begrüßung machte Ulrike Eifler, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Würzburg, deutlich, warum die Friedensfrage keine Randnotiz gewerkschaftlicher Politik ist. Wer heute über Sozialstaat, Verteilungsgerechtigkeit und öffentliche Investitionen spreche, könne die Frage von Krieg und Frieden nicht ausklammern. Denn die Rechnung sei einfach: Die Milliarden für Aufrüstung fehlten an anderer Stelle. Während die Verteidigungshaushalte wachsen, geraten soziale Leistungen, öffentliche Infrastruktur und kommunale Angebote zunehmend unter Druck.
Peter Brandt zeichnete in seinem Vortrag die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte nach. Vom Ende des Kalten Krieges über die Auflösung der Sowjetunion bis hin zu den geopolitischen Verschiebungen der Gegenwart. Die Hoffnung auf eine gemeinsame europäische Friedensordnung nach 1990 sei einer neuen Blockbildung gewichen. Die NATO-Osterweiterung, die Rückkehr machtpolitischen Denkens und die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China bildeten den Hintergrund für viele der heutigen Konflikte.
Dabei vermied Brandt einfache Erklärungen. Die Kriege unserer Zeit, ob in der Ukraine oder im Nahen Osten, seien nicht aus dem Nichts entstanden. Wer sie verstehen wolle, müsse ihre historischen und politischen Ursachen in den Blick nehmen. Im Mittelpunkt stand dabei die Überzeugung, dass dauerhafter Frieden nicht militärisch erzwungen werden kann, sondern nur durch politische Verständigung, Verhandlungen und diplomatische Initiativen entsteht.
Ulrike Eifler verwies auf die kommenden Aktivitäten der IG Metall Würzburg. Gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstaltet die Geschäftsstelle am 23. und 24. Juli eine Friedenskonferenz in Würzburg. Außerdem rief sie zur Teilnahme am DGB-Aktionstag am 3. Juli in der Würzburger Innenstadt auf. Dort werden die Gewerkschaften gegen Sozialabbau und Kürzungspolitik protestieren und deutlich machen, dass soziale Sicherheit und Friedenspolitik zusammengehören.
Im Bild oben: Ulrike Eifler bedankt sich bei Prof. Dr. Peter Brandt.
Im Bild unten: Gert Söhnlein, ehem. DGB Kreisvorsitzender in Würzburg, links, Björn Mannß, IG Metall Gewerkschaftssekretär, zweiter von links, Peter Baumann, ehem. Gewerkschaftssekretär bei der ver.di in Würzburg, dritter von links, Prof. Dr. Peter Brandt in der Bildmitte hinten, und Ulrike Eifler, rechts.
Bildnachweis: IG Metall Würzburg, Norbert Zirnsak

