Würzburg: Kai Degenhardt über Arbeiterlied und Arbeiterkämpfe

Ulrike Eifler verabschiedet Kai Degenhardt nach der Lesung im „Blauen Adler“ in Würzburg und bedankt sich für einen starken Abend. Bildnachweis: Norbert Zirnsak

Montag, 27. April 2026, Würzburg – die Woche vor dem Tag der Arbeit am 1. Mai. Der Saal im „Blauen Adler“ ist voll. Auf Einladung der IG Metall stellt Kai Degenhardt sein Buch „Wessen Morgen ist der Morgen – Arbeiterlied und Arbeiterkämpfe in Deutschland“ vor.

Auf der Bühne ein Tisch. Dahinter Kai Degenhardt. Er liest, erklärt, denkt nach, liest weiter, erklärt. Brille auf, wieder ab, ein kurzer Blick ins Publikum, dann zurück in den Text. Dann der Wechsel: Er steht auf, setzt sich auf den Gitarrenstuhl, greift zur E-Gitarre. Was eben noch gelesen wurde, kommt jetzt als Lied wieder. Arbeiter-Einheitsfrontlied, die Moorsoldaten, dazu die Zeile: „Auf, auf zum Kampf, zum Kampf sind wir geboren“.

Degenhardt setzt früh an: bei Gesellen und Handwerkern im frühen 19. Jahrhundert, noch ohne feste Organisation. Daraus entwickeln sich mit der Arbeiterbewegung andere Formen. Ferdinand Lassalle und die frühen Organisationsversuche der 1860er Jahre, die Sozialistengesetze, Karl Marx und das Kommunistische Manifest. Und die Brüche: Gustav Noske, Sozialdemokrat, verantwortlich für die blutige Niederschlagung der Arbeiterbewegung 1918/19 und die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Die Lieder laufen durch diese Geschichte hindurch.

Agitprop-Gruppen gingen vor allem in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren zu den Arbeitern: kurze Szenen, Lieder, direkte Ansprache – Teil politischer Arbeit, auch im Umfeld der Kommunistische Partei Deutschlands. Der Film Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?, 1932 hervorgegangen aus dem Netzwerk um Willi Münzenberg, zeigt eine Arbeiterfamilie, die unter Arbeitslosigkeit zerbricht, und stellt die Frage, wem die Verhältnisse gehören. Faschismus. Die Moorsoldaten – 1933 im KZ Börgermoor entstanden, ein Lied der politischen Gefangenen. Nach 1945 setzt die Arbeiterliedtradition unter veränderten Bedingungen wieder an, in Gewerkschaften und politischen Zusammenhängen. In den 1960er und 1970er Jahren erreicht das politische Arbeiterlied einen neuen Höhepunkt: Franz Josef Degenhardt, Hannes Wader und Dieter Süverkrüp, dazu Gruppen wie Floh de Cologne.

Ulrike Eifler, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Würzburg, eröffnet und beendet den Abend. Sie verweist auf die Gewerkschaftskonferenz für den Frieden am 24. und 25. Juli in Würzburg, die die Rosa-Luxemburg-Stiftung gemeinsam mit der IG Metall Würzburg durchführt, und ruft zur Teilnahme an den Mai-Kundgebungen der Gewerkschaften am 1. Mai auf. Zum Abschied überreicht Ulrike Eifler Kai Degenhardt ein Geschenk: Frankenwein, zwei Flaschen Rote Domina aus Iphofen. Am Ende singen alle die Die Internationale. Danach kann nichts mehr kommen.

Buch: Kai Degenhardt: Wessen Morgen ist der Morgen – Arbeiterlied und Arbeiterkämpfe in Deutschland, PapyRossa, ISBN 978-3-89438-816-4.